Reiseberichte
Russland - Japan
13.09.2008
Sachalin
Wir haben uns entschlossen mit Scott und
Kim zusammen nach Sachalin zu fahren. Die ca. 700 km bis Chabarowsk fahren
wir auf einer guten, nur teilweise von kurzen max. 15 km langen
Schotterstücken unterbrochenen Straße in 2 Tagen.
In der Stadt angekommen fahren wir dann
erstmal etwas durch die City und suchen eine günstige Unterkunft für
einige Tage. Scott und Kim lassen sich Carnet de Passage via DHL nach
Chabarovsk schicken deshalb brauchen wir hier etwas Zeit. Leider finden
wir nichts was unseren Ansprüchen genügt. Man möchte für ein Zimmer 1500
bis 2500 Rubel die Nacht haben. Nicht unsere Liga. Wir entschließen uns
etwas aus der Stadt rauszufahren und erstmal zu Campen. Mittlerweile ist
es auch schon dunkel und es wird Zeit sich einen Platz für die Nacht zu
suchen. Am nächsten morgen zeigt es sich das wir einige Dauercamper als
Nachbarn haben, Wir haben in der Dunkelheit unsere Zelte direkt neben
einem Friedhof aufgestellt. Naja, war wenigstens ruhig.
Zurück in der Stadt werden wir dann vom
örtlichen Bikerclub gefunden und erstmal zum Hähnchen essen und zur Dusche
eingeladen. Bei der Frage nach einer günstigen Unterkunft vermittelt man
uns ein Zimmer für 300 Rubel die Woche. Echt runtergekommene Bude aber
fast im Zentrum der Stadt und billig. Wir haben 16 qm für 4 Leute und
müssen erstmal die zu gestaubten Möbel auf den Flur stellen. Anschließend
kaufen wir einen Mob und wischen erstmal den Boden. Die beiden Engländer
sagen „Howel“ zu unserer Unterkunft, was soviel wie „shit home“ heißt.
Chabarovsk hat über 1 Million Einwohner,
liegt am Amur und gefällt mir echt ganz gut. Eine Bootstour mit einem
Ausflugsdampfer lassen wir uns deshalb auf diesem echt riesigen Fluss und
bestem Wetter nicht entgehen. Die örtlichen Biker treffen sich abends an
einem Cafe mit Livemusik am Amur und wir fahren jeden Abend einige Runden
mit ihnen durch die Stadt. Hier in Russland ist man schon ziemlich
schmerzbefreit.
Wir fahren mit mehr als 30 Motorrädern
durch die Stadt, die vorausfahrenden blockieren die Kreuzungen und alle
fahren bei Rot über die Ampel. Echt abgefahren. Wenn man fragt ob die
Polizei nichts macht bekommen wir als Antwort „Njet Problem , Normal“
Eines Nachts fahren wir dann noch alle zur Garage von Jaroslaf und es gibt
eine „Alkoholic Party“ vom feinsten. Spät in der Nacht holt er dann noch
seine Kalaschnikow raus und wir ballern etwas in der Gegend rum. Echt
netter Kerl.
Das Carnet liegt nach 4 Tagen schon zur
Abholung bereit. Mittlerweile hat sich noch Chris angesagt. Er ist mit
Scott und Kim durch Kasachstan und der Mongolei gefahren. Er ist
Australier und kommt von Vladivostock hoch um mit uns zusammen über
Sachalin nach Japan zu fahren. Anschließend will er mit den beiden nach
Alaska. Als Chris dann endlich eintrifft ist bei seiner BMW erstmal die
Lichtmaschine defekt .Dank dem „Motordoktor“ ist das Problem aber
innerhalb eines Tages erledigt und wir können uns an nächsten Mittag auf
den Weg nach Sachalin machen. Die ersten rund 200 km sind geteert und nach
einer guten Woche Pause macht das Fahren auch wieder richtig Spaß. Wir
campen etwas abseits der Hauptstrasse an einem kleinen See und gerade als
wir unsere Zelte aufgebaut haben hat man uns schon entdeckt. Ein großer
Geländewagen hält an und man schenkt uns einen riesigen Fisch und zwei
Enten. So etwas kann einem wirklich nur in Russland widerfahren.
Am nächsten Tag haben wir dann wieder
ungeteerte Strassen aber eine wirklich schöne Strecke zu fahren. Das
Wetter spielt auch mit und es wird hügeliger und wir fahren immer an einem
Fluss entlang. Abends zelten wir nahe der Strasse und wir hören ein
Motorgeräusch was stark an eine BMW erinnert. Scott meint noch Alukoffer
gesehen zu haben. Matthias soll sich auf den Weg machen die BMW
einzufangen. 20 min später kommt er mit Anton im Schlepptau zurück. Anton
ist Tscheche und auch auf dem Weg nach Japan. Ab jetzt sind wir also 6.
Anton ist von Beruf Übersetzer und spricht fließend Englisch, Russisch,
Japanisch und Holländisch. Deutsch versteht er auch.
In Vanino wären wir dann ohne Anton echt
aufgeschmissen gewesen. Ein Ticket für die Fähre nach Sachalin zu kaufen
war hier derart schwierig und unnötig kompliziert das es ohne seine Hilfe
schätzungsweise 1 Woche gedauert hätte hier ein Ticket zu bekommen. Scott
hat alles detailliert aufgeschrieben, sodass ich den Ablauf des Ticketkaufs
demnächst mal hier einstelle. Nur soviel dazu, jeder musste 21
Unterschriften abgeben um ein Ticket zu bekommen. Nachts um 2 konnten wir
dann endlich an Bord und um 3 geht’s dann los. Wir haben eine Kabine die
wir auch gleich „Howel 2“ taufen. Dieses Schiff ist ein echter
Seelenverkäufer und derart langsam das wir für die 250 km lange Überfahrt
mehr als 20 Stunden brauchen.
Sachalin ist eine echt schöne Insel und
wirklich eine Reise wert. Leider haben wir hier zu wenig Zeit denn die
Fähre nach Hokkaido fährt schon 2 Tage später und leider zu dieser Zeit
nur 1-mal die Woche. Einige kurze Offroad Einlagen machen auch wieder Spaß
und am letzten Abend sind wir dann noch mal bei einem Biker in Sachalin
eingeladen und können sogar bei ihm schlafen. Das Fährticket besorgen wir
uns diesmal über einen Agenten der dann alles weitere regelt. Das Schiff
nach Japan kostet rund 340 Euro aber dafür kommen wir im nördlichen Japan
in Wanakkai an. Mit der Sachalinfähre kommen wir dann auf rund 420 Euro
für den Transport nach Japan.
Die Einreise nach Japan war auch kein
Problem. Nur die Motorräder mussten vorher gründlich gereinigt werden.
Auch das Carnet wurde vor Ort umgehend von den Beamten ausgefüllt und wir
konnten schon am ersten Abend mit unseren Motorrädern in Japan fahren.
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